15.02.2017

schadensfälle in der schweisstechnik

Wenn die Konstruktion versagt
Fachvortrag des DVS e.V. Bezirksverband Mittelhessen erfreut sich hoher Besucherzahlen

Gießen. Trotz aller Normen, Methoden und der weltweit geschätzten deutschen Ingenieurskunst
treten auch in Deutschland Schadensfälle in der Schweißtechnik auf. Dass sich diese oft und einfach
verhindern lassen, erfuhren 72 Vortragsgäste am Mittwochabend, den 15.02.2017 in der
Technischen Hochschule Mittelhessen erfreuen, als Herr Dipl.-Ing. (FH) Helmut Simianer, Leiter der
Materialprüfanstalt der SLV Mannheim GmbH seine Erfahrungen teilte.

Der DVS e.V. Bezirksverband Mittelhessen organisierte den Vortrag „Schadensfälle in der Schweißtechnik“ im Rahmen des aktuellen Veranstaltungsprogrammes mit der Hilfe von Prof. Dr. Jörg Gollnick, Professor an der Technischen Hochschule Mittelhessen, welche in engem Kontakt mit dem DVS e.V. steht. Die Zuschauerzahlen, welche erfreulich hoch waren, veranlassten sogar noch kurzfristig einen Raumwechsel, damit alle der Präsentation von Herrn Simianer folgen konnten. Seine langjährige Berufserfahrung mit diesem heiklen Thema und auch seine unterhaltsame Vortragsweise waren der Erfolgsfaktor für diesen Abend. Unter den Zuschauern waren nicht nur junge Studenten, sondern auch Ingenieure, Schweißer und Technikinteressierte aus ganz Mittelhessen. Geschweißt wird in fast allen Bereichen der weltweiten Industrie. Oftmals sind dies sicherheitskritische
Konstruktionen, wodurch diese mit besonderer Sorgfalt konstruiert werden müssen. Die Vortragsteilnehmer wissen nun anhand einiger Beispiele worauf sie bei Ihren Konstruktionen und Ausführungen zu achten haben, damit die Schweißnaht hält. Ganz nach dem Motto: Der Schlaue lernt aus den Fehlern der Anderen!
Angefangen hat Herr Simianer bei einer allgemeinen Einteilung der Schadensfälle und stellte klar, dass der mechanische Schadensfall der Häufigste sei. Dabei sei der Schwingbruch die sich am meisten wiederholende Schadensursache. Tipps wie sich Brüche, welche durch Wasserstoffversprödung an geschweißten Bauteilen und Schrauben entstehen, verhindern lassen, wurden dargestellt. Auffällig hier ist, dass dies nur bei Schrauben der Festigkeitsklasse 12.9 auftritt und es meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach der Montage oder z.B. nach Verwendung eines ungeeigneten Reinigungsmittels zu einem Schadensfall kommt. Ein entscheidender Faktor hierbei sei die Härte: Diese darf auch bei Schweißnähten nicht über 380 HV liegen. Auch brenngeschnittene Bauteile neigen zu Schäden an der Schnittkante, wenn die Oberfläche ein Martensitgefüge bildet und somit den zulässigen Härtegrad übersteigt. Dies ist allerdings auch abhängig vom Werkstoff. Auch einsatzgehärtete Bauteile solle man am besten gar nicht schweißen. Bei Härten von bis zu 840 HV wäre eine sprödbruchsichere
Verbindung des Zusatzwerkstoffes mit dem Grundmaterial nicht zu gewährleisten. Kerben sind ein weiteres Thema, welches nach Herrn Simianer oftmals unterschätzt wird. Kerben seien in der Konstruktion von dynamisch belasteten Bauteilen auszulassen. Hierbei können kleine Heftnähte schon kritisch sein. Abhilfe könne hier eine durchgezogene Schweißnaht bringen. Auch Einbrandkerben, Schweißperlen und Zündstellen von Elektroden können bei dynamisch belasteten Bauteilen schon zum Bruch führen. Weiterhin ist auf die richtige Qualität der Materialien zu achten, deren Eigenschaften am besten noch einmal sichergestellt werden. Dass auch Risse an
feuerverzinkten Bauteilen auftreten können, wurde anhand des Fußballstadions in Kaiserslautern erläutert und auch nichtrostende Stähle haben eigene Schwachpunkte. Herr Simianer war nach seinem Vortrag noch für Fragen offen. Der DVS e. V. BV Mittelhessen freut sich auf eine baldige Wiederholung oder Fortführung der Ausführung von Herrn Simianer.